Im Bio.Garten.Eden darf auch jenes Material nicht fehlen, das die geologische Grundlage der Region bildet – der Granit. Eine Gruppe österreichischer Steinmetze überlegte sich, wie sich der Granit im Paradies wohl von seiner besten Seite zeigen könnte und präsentierten das Ergebnis im Rahmen der Eröffnung des Skulpturenrundganges: Rohblöcke von tausend Kilo und 40 x 40 x 225 Zentimeter bildeten die Ausgangsbasis für jeden Künstler.
Den Teilnehmern stand frei, wie sie mit dem Stein verfahren – ob sie ihn teilen, beschriften, durchlöchern, per Post versenden oder vergraben. Jede bildhauerische Technik durfte angewandt werden, solange auch der Abfall berücksichtigt wurde und kein Gramm verloren ging.
Besucher können erkunden, wie sich Granit formen lässt, was seine Gestalt zur Sprache bringt und ob er ihre Fantasie herausfordern kann.

Ernestine Lehrer hat sich als einzige Steinmetzmeisterin unter ansonsten männlichen Kollegen des Themas der Schrift und ihres Trägermediums angenommen.
Wolfgang Gollner stellt seinen Granitquader als performative Masse zur Verfügung und lädt die Besucher ein, das Hartgestein auch zu spüren.
Die Steinmetze Bernhard Baumgartner und Helmut Moser widmen sich in ihrer Arbeit dem Zerlegen einer vordefinierten Form und des Neu-Zusammensetzens der so gewonnenen geometrischen Einzelteile. Während Bernhard Baumgartner versucht, den starren, in sich geschlossenen Granitklotz in ein fächerleichtes, fast fliegendes Objekt zu übersetzen, hat Helmut Moser die neugewonnenen Teile zu einer dysfunktionalen Uhr zusammen gesetzt.
Thomas Pilsl und Rudi Wienerroither beschränken sich auf eine Zweiteilung des Ausgangsquaders mittels Diamantseiles, wobei Pilsl seinen Stein so aussehen lässt, als wäre er von Gotteshand in zwei Stücke gebrochen. Wienerroither konzentriert sich auf die Schnittstelle von Kunst, Handwerk und Design: Seine Bank bewegt sich zwischen einem in die Höhe stehenden Kunstobjekt und einem Gebrauchsgegenstand – einer horizontal ausgerichteten Sitz- und Liegefläche.
Die Mitarbeiter der Steinmetzfirma Poschacher und der Bildhauer Werner Baumann nehmen sich des schwierigen Themas einer figurativen Darstellung in Stein an und versuchen, eine menschliche Figur metaphorisch aus ihrem Mutterstein hervortreten zu lassen.
Norbert Kienesberger versucht, steinbildhauerisches Neuland zu betreten: Das Diamantseil seiner computergesteuerten Präzisionsmaschine reizt den Granit auf das Äußerste aus. Dadurch werden bis dahin ungeahnte Möglichkeiten skulpturaler Steinbildbearbeitung freigesetzt, die mit Hammer und Meißel unmöglich wären.
Raimund Fuchs hat die Kreativarbeit am Objekt an seine drei Kinder delegiert und sich so dem Zwang entzogen, über Gestaltungsfragen nachdenken zu müssen.
Die Kreativität wird bei Hans Paar im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze getrieben. Er schneidet mittels einfachen Handwerkzeuges lebensbedrohliche Zaunelemente aus dem Quader und stellt seine Installation – ein Grenzzaun inmitten des Paradiesgartens – in einen politischen Zusammenhang.

 

Bildbeschreibung:
Die Gruppe der teilnehmenden Steinmetze bei der Katalogpräsentation v.l.h. Johann Paar, Norbert Kienesberger, Bernhard Baumgartner, Helmut Moser, Thomas Riederer-Winkler von Strasser Steine, Erich Trummer, Helmut Moser jun., Rudi Wienerroither, Thomas Pilsl von Schärdinger Granit, Andreas Sigl von Poschacher Natursteinwerke und Landschaftsarchitekt LGS Tobias Micke. V.l.v. Projektleiter Arnold Reinthaler, Ernestine Lehrer, Gerhard Wenigwieser, GF LGS Barbara Kneidinger und Landschaftsarchitekt LGS Christoph Hauser. Fotonachweis: BRS Alfred Hofer

 

Weitere Bilder Eröffnung der Ausstellung EINE MILLION GRAMM GRANIT mit Fotonachweis: BRS Alfred Hofer

Pressetext von Mag. Viktoria Pernsteiner, VIPtext

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