Staatsmeisterschaft der Steinmetze 2018

Bei der Staatsmeisterschaft der Berufe von SkillsAustria holt sich Steinmetz Robert Ziller (23) aus Adnet den Sieg. Beim Wettbewerb vom 22.-25. November 2018 gingen vier Kandidaten und zwei Kandidatinnen an den Start. Das hohe fachliche Niveau der Teilnehmer bestätigt das duale Ausbildungssystem als Erfolgsrezept für den Berufsnachwuchs.

Alle zwei Jahre kämpfen Österreichs Nachwuchstalente im Steinmetzhandwerk um den Titel des Staatsmeisters. Wie in den Durchgängen zuvor war 2018 das Salzburger Messegelände Schauplatz des fachlichen Kräftemessen, das im Rahmen der Berufs-Info-Messe (BIM)  ausgetragen wird. Als Teil der AustrianSkills, bei der die Staatsmeister in 39 Berufen gekürt wurden, erfreute sich der Wettstreit der Steinmetze hoher Beliebtheit bei den Zuschauern und Messebesuchern. Staatsmeister 2018 ist Robert Ziller vom Steinmetzbetrieb Berthold Ziller aus Adnet bei Salzburg. Vize-Staatsmeister wurde Sebastian Wienerroither vom Steinmetzbetrieb Wienerroither aus Oberösterreich, der 3. Platz ging an Jakob Mayer von Steinmetz Neumayr in Tirol. Auch die übrigen drei Teilnehmer – Nadine Kanzler (Steinmetz Berthold Ziller), Anna Feldbauer (Kienesberger Steinmetzmeister GmbH) und Samuel Steiner (Steinmetz Neumayr) bewiesen ihr hohes handwerkliches Geschick.

Mit Erfahrung zum Sieg

Die innerhalb von drei Tagen zu meisternde Aufgabe war anspruchsvoll: In Handarbeit und nur unterstützt durch Druckluftwerkzeuge musste ein mehrfach profiliertes Teil einer gotischen Fensterrose aus Untersberger Marmor angefertigt werden. Das Herstellen von Schablonen sowie eine Gravur waren ebenfalls in dieser Zeit zu bewältigen. Bereits geringste Abweichungen beim Ausarbeiten der Flächen und Kanten führen zu empfindlichen Punkteabzügen; am Ende setzte sich Robert Ziller mit seiner Kombination aus Präzision und Erfahrung an die Spitze. Weil das Niveau der Teilnehmer insgesamt sehr hoch war, wusste er bis zum Schluss nicht, welchen Platz er erringen würde, erinnert sich der frisch gekürte Staatsmeister. Wettkampferfahrungen konnte Robert Ziller bereits bei der Staatsmeisterschaft 2016 sammeln, bei der er sich den Titel des Vize-Staatsmeisters sicherte. Obwohl im modernen Steinmetzhandwerk mittlerweile viele Arbeitsschritte mit computergesteuerten Maschinen bewältigt werden, ist der Umgang mit handgeführten Werkzeugen für Robert Ziller ein wichtiger Bestandteil seiner täglichen Arbeit mit Stein. Daher befürwortet er die handwerkliche Profilbearbeitung beim Wettbewerb als eine gute Möglichkeit, das traditionelle Steinmetzhandwerk zu bewahren und einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Seit seinem Abschluss 2015 an der Fachschule für Steinmetze an der HTL Hallein arbeitet Robert Ziller als Steinmetzgeselle in fünfter Generation im elterlichen Meisterbetrieb Berthold Ziller in Adnet. Die berufliche Zukunft hat Robert Ziller klar vor Augen: Nächstes Ziel ist die Teilnahme an der Europameisterschaft EuroSkills 2020 in Graz, danach plant er die Meisterprüfung, um das Familienunternehmen weiterzuführen.

Starker Rückhalt aus der Steinmetzbranche

Für Jurymitglied und Steinmetzmeister Norbert Kienesberger (OÖ) bestätigt der Wettkampf 2018 das hohe Niveau der beruflichen Ausbildung und Nachwuchsbetreuung in Österreich, was sich nicht zuletzt auch an zahlreichen internationalen Erfolgen der österreichischen Teilnehmer und Teilnehmerinnen an Europa- und Weltmeisterschaften im Rahmen von  EuroSkills und WorldSkills ablesen lässt. Wenn österreichische Steinmetze Gold- oder Silbermedaillen erringen, ist das laut Norbert Kienesberger kein Zufall, sondern das Ergebnis von hartem Training und einem hohem Engagement der Kandidaten, Ausbilder und Betreuer. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist auch der starke Rückhalt in der österreichischen Steinmetzbranche; dass mehr als 15 Steinmetzmeister am letzten Wettkampftag aus ganz Österreich nach Salzburg reisten, um an der Jurierung teilzunehmen und die umfangreichen Prüfungskriterien abzuarbeiten, zeugt auch für SkillsAustria-Experte Bernhard Hasenöhrl von der hohen Akzeptanz der Staatsmeisterschaft innerhalb der Steinbranche. Darüber hinaus hebt der Experte die gute Organisation durch das SkillsAustria-Team sowie den Einsatz der Sponsoren aus der Natursteinbranche wie dem Werkzeug- und Maschinenlieferanten WEHA sowie Kaeser Kompressoren hervor.

Basisarbeit in der Berufsausbildung

Als Fachlehrer an der Berufschule in Wals ist Bernhard Hasenöhrl unmittelbar in der Berufsausbildung aktiv. Darüberhinaus ist der Steinmetzmeister seit sieben Jahren eine treibende Kraft bei der Förderung talentierter Nachwuchskräfte und begleitete bereits mehrere internationale Wettbewerbe für SkillsAustria. Das große Potential beim fachlichen Nachwuchs in Österreich ist für Hasenöhrl erfreulich: Für die Staatsmeisterschaft 2018 waren ursprünglich zehn Kandidaten gemeldet, allerdings hatten vier davon krankheitsbedingt auf eine Teilnahme verzichten müssen.

Vielversprechend ist auch ein Trend in den Berufschulen: Gegenwertig steigen die Klassenstärken bei den Steinmetzen wieder. Grund hierfür sei unter anderem die Kampagne der Wirtschaftskammer Österreich zur Bewerbung des Handwerks. Wer Steinmetz lernt, hat einen absolut krisensicheren Beruf, äußerten sich SkillsAustria-Experte Bernhard Hasenöhrl und alle nach Salzburg angereisten Steinmetzkollegen einstimmig.

Handwerk mit Zukunft

Viel Lob bekommt der frisch gekürte Staatsmeister auch von der Bundesinnung der Steinmetze in Wien. Für Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker hat Robert Zillers Erfolg Signalwirkung für alle Interessentinnen und Interessenten am kreativen und zukunftsträchtigen Lehrberuf. „Unser Handwerk ist nicht angestaubt, sondern leistungsfähig und vielfältig.“ Berufseinsteiger haben gute Aufstiegschancen, denn im Dualen System ausgebildete Fachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt, betont Ecker. Für das hohe Niveau der österreichischen Berufsausbildung gibt es eine plausible Erklärung: Praktiker unterrichten Praktiker. Die Berufschullehrer besitzen selbst viel Praxiserfahrung, kennen die Anforderungen am Arbeitsmarkt und richten den Unterricht darauf aus. 

 

Über die Bundesinnung der Steinmetze

Die Bundesinnung der Steinmetze ist die Spitzenorganisation aller österreichischen Steinmetzmeister unter der Leitung von Bundesinnungsmeister Wolfgang Ecker aus Traiskirchen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Kommunikation nach innen und außen sowie die Unterstützung der rund 700 Mitgliedsbetriebe in den Kernbereichen Friedhofskultur, Bau und Innenausbau sowie der Denkmalpflege. Weitere Schwerpunkte sind die berufliche Weiterbildung, die Arbeitssicherheit und die Förderung von qualifizierten Nachwuchs-Fachkräften.